OER-Modul 1

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OER-Modul 1

Was sind Open Educational Resources?

Freie Lehrmaterialien für die Bildung

(Quelle)

Die Abkürzung OER steht für „Open Educational Resources“ und wird im Deutschen meistens als „freie Lehr und Lernmaterialien“ oder auch „offene Bildungsinhalte“ übersetzt.

Nach der aktuellen OECD Studie vom 1. Dezember 2015 gilt ein Lernmaterial als OER, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:
  • Es handelt sich um Lernmaterial (unabhängig der Form), das in Bildungskontexten eingesetzt werden kann.
  • Die Lernmaterialien werden in einem digitalen Format zur Verfügung gestellt.
  • Das Lernmaterial kann genutzt, weitergegeben, bearbeitet und in anderen Bildunsgzusammenhängen wiederverwendet werden.

Hinter den Begriff „offen“ steht somit die Idee, dass die Lehr- und Lernmaterialien frei zugänglich sind (in der Regel digital), frei weitergegeben und weiterverarbeitet werden können, ohne dass man Gefahr läuft, gegen geltendes Urheberrecht zu verstoßen. Auch wenn das Wort „offen“ häufig die Bedeutung von kostenlos impliziert, muss OER-Material nicht zwingend kostenlos sein.

Auch die Definition von „Lernmaterial“ ist noch nicht abschließend geklärt. So werden in der OECD-Studie Wikipedia-Inhalte zwar als offene Ressourcen im engsten Sinne bezeichnet, gelten damit aber nicht automatisch als „Educational“ Resources. Ein Lernmaterial kann erst dann als OER eingestuft werden, wenn ein pädagogisches Ziel oder eine pädagogische Absicht erkennbar ist.

Weitere Empfehlungen an OER, die von einzelnen Institutionen formuliert werden, ist die Verwendung offener Lizenzen, wie beispielsweise die Creative Commons (CC) – eine Art vorformulierte Lizenzverträge, die es Urhebern einfacher macht, rechtlich geschützte Inhalte freizugeben.

Wie man den verschiedenen Stellungnahmen, Studien und Whitepaper entnehmen kann, ist der Begriff OER aber bis heute nicht klar definiert und lässt viel Definitionsraum in alle Richtungen offen.

Auch wenn es in der Diskussion um OER noch einiges an Klärung bedarf, ist heute schon erkennbar, dass es im Kern der OER-Bewegung darum geht, Lernmaterialien im Sinne von Teilen (Sharing) und Zusammenarbeit (Collaboration) zur Verfügung zu stellen und dabei vom bereits vorhandenen kreativen und innovativen Potenzial der Lehrkräfte zu profitieren und letztlich das Angebot herkömmlicher Bildungsmaterialien zu bereichern.

Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International.png

Ein OER Spickzettel für Lehrkräfte von Helliwood media & education ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Begriff OER

Der Begriff wurde erstmals vom UNESCO 2002 Forum on the Impact of Open Courseware for Higher Education in Developing Countries[1] verwendet. Als OERs können sowohl freie Lernmaterialien, freie Software als auch freie Lizenzen begriffen und verstanden werden.

Die unterschiedlichen Definitionen und Verständnisse von OER beinhalten nach Geser (2007) folgende Merkmale:

  • „dass der Zugang zu freien Inhalten (einschließlich der Metadaten) für Bildungsinstitute, so genannte ‚Content Services‘ sowie Endverbraucher wie Lehrer, Schüler und Studenten und lebenslang Lernende kostenlos ist;
  • dass Inhalte weniger restriktiv für die Weiterverbreitung zu Bildungszwecken lizenziert werden, so dass sie nach Möglichkeit verändert, kombiniert und in anderem Zusammenhang wiederverwendet werden können; folglich, dass Inhalte idealerweise unter Verwendung von offenen Standards und Formaten so gestaltet werden, dass sie einfach wiederzuverwenden sind;
  • dass für Lernsysteme/-werkzeuge eine Software benutzt wird, deren Quellcode zugänglich ist (also eine Open-Source-Software) und dass offene Schnittstellen (open APIs) und Genehmigungen für die Weiterverbreitung von webbasierten Diensten sowie Inhalten vorhanden sind.“[2]

Die „William and Flora Hewlett Foundation“ definiert OER wie folgt:

OER sind frei zugängliche Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen, die gemeinfrei sind oder auf Basis freier Lizenzen die Verwendung und Veränderung erlauben. Open Educational Resources umfassen vollständige Kurse, Kursmaterialien oder -aufgaben, Lehrbücher, Videos oder Anwendungsprogramme sowie andere Werkzeuge, Materialien oder Techniken, die genutzt werden, um den Wissenserwerb zu unterstützen.[3]

OER können aus unterschiedlichsten digitalen Inhalten und Formaten bestehen. Lerninhalte können z. B. Onlinekurse, Kursmaterialien, Open Textbooks, Aufgabensammlungen oder Zeitschriften etc. sein.

Die 5 Vreiheiten nach Wiley

(Quelle)

Zur Definition von „Offenheit“ wird häufig auf die 5 Rs von David Wiley verwiesen, die er in seiner Definition of Open Content skizziert. Im Folgenden findet sich eine Übersetzung und vorsichtige Erweiterungin Bezug auf OER. Im Deutschen werden die 5 Rs zu 5 Vs.

Zur Definition von „Open“ in „Open Educational Resources“

Der Begriff „open content“ beschreibt jegliches Werk im urheberrechtlichen Sinne, das so lizenziert ist, dass allen Nutzern kostenfrei und auf Dauer die folgenden 5V-Rechte eingeräumt werden:

  • Verwahren/Vervielfältigen – das Recht, Kopien des Inhalts anzufertigen, zu besitzen und zu kontrollieren (z.B. Download, Speicherung und Vervielfältigung)
  • Verwenden – das Recht, den Inhalt in unterschiedlichen Zusammenhängen einzusetzen (z.B. im Klassenraum, in einer Lerngruppe, auf einer Website, in einem Video)
  • Verarbeiten – das Recht, den Inhalt zu bearbeiten, anzupassen, zu verändern oder umzugestalten (z.B. einen Inhalt in eine andere Sprache zu übersetzen)
  • Vermischen – das Recht, einen Inhalt im Original oder in einer Bearbeitung mit anderen offenen Inhalten zu verbinden und aus ihnen etwas Neues zu schaffen (z.B. beim Einbauen von Bildern und Musik in ein Video)
  • Verbreiten – das Recht, Kopien eines Inhalts mit Anderen zu teilen, im Original oder in eigenen Überarbeitungen (z.B. einem Freund eine Kopie zu geben oder online zu veröffentlichen)

Die Vorteile von OER

Freie Inhalte für kreative Bildungsprozesse


Gerade im Bildungsbereich ist insbesondere das freie Vervielfältigen und Weitergeben ein hohes Gut und bietet viele handfeste Vorteile.

Lernen ist ein zutiefst individueller Prozess, der voraussetzt, dass Lernende einen freien und kreativen Zugang zu Inhalten haben. Die neuen Medien bieten zum einen variable Werkzeuge und ermöglichen zum anderen das gemeinsame Arbeiten an und das Teilen von Inhalten. Dies setzt jedoch voraus, dass die genutzen Inhalte auch bearbeitet und geteilt werden dürfen.

Aber auch für den Unterricht ist es erforderlich, dass Lehrkräfte mit Blick auf Binnendifferzierung und kompetenzorientiertem Lernen die Möglichkeit haben, das jeweilige Unterrichtsmaterial den Gegebenheiten individuell anzupassen. Denn das schüleriorientierte Lehren ist nicht nur abhängig von der Schulart, sondern auch von der jeweiligen Lerngruppe und Lehrmethode. Bisher ist es usus, dass Inhalte aus Schulbüchern neu zusammenkopiert, ergänzt oder mit anderen Materialien gemischt zu einem neuen Lernkontext zusammengstellt werden.

Oft bewegen sich die Beteiligten dabei allerdings in einer rechtlichen Grauzone oder haben mit Urheberrechtsverletzungen zu kämpfen, z.B. wenn Bildmaterial aus dem Internet verwendet wird, oder für die digitale Lernplattform in größerem Umfang Lehrbücher bzw. -hefte gescannt werden sollen.

Auch wenn es meistens zu keinem juristischen Nachspiel kommt, sind Fachkräfte mit OER auf der sicheren Seite und setzen sich keinem Risiko aus. Außerdem leisten sie wertvolle Bildungsarbeit, indem der richtige und nachhaltige Umgang mit dem Urheberrecht und Quellen unterschiedlichen Ursprungs nicht nur thematisiert, sondern vorgelebt wird.

Woran erkennt man OER?

Freie Lehrmaterialien für die Bildung


Zu Beginn wurde der Begriff „Open Educational Resources“ bereits erläutert – und da ein allgemein anerkanntes Siegel o. Ä. bis heute nicht besteht, bleibt die Einordnung letzten Endes dem Urheber bzw. dem Nutzer vorbehalten. Dabei lassen sich im Prinzip einige einfache Punkte überprüfen, um eine sinnvolle Bestimmung durchzuführen:

  • Darf das Material frei und ohne (oder mit geringfügigen) Einschränkungen weiterverbreitet werden?
  • Handelt es sich um Unterrichtsmaterial, das für den Einsatz in Bildungsszenarien geeignet ist?
  • Ist die Bearbeitung und Weiterverwendung, sowie anschließende Verbreitung zugelassen?

Aufgrund der Popularität von OER nimmt die Zahl der verfügbaren Materialien von Tag zu Tag zu. Leider gibt es bisher noch keine gesammelten Verzeichnisses, in denen man nach verfügbarem Material suchen kann. Es bleibt eine Recherche über die Suchmaschine mit entsprechendem Hinweis auf „OER“.

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OER und CC?

Creative Commons – eine Lizenzvereinbarung

(Quelle)

Für OER-Materialien gilt ganz allgemein, dass sie frei genutzt, öffentlich aufgeführt, vervielfältigt und weiter verbreitet werden dürfen. Kopierkontingente, eingeschränkte Nutzung in digitalen Lernplattformen und ähnliche Beschränkungen bestehen grundsätzlich nicht.

Die am weitesten verbreiteten Lizenzformen im OER-Bereich sind die CC-Lizenzen. Es handelt sich dabei um Standard-Lizenzverträge der gemeinnützigen Creative Commons-Stiftung. Für jedes Werk unter einer CC-Lizenz gilt immer mindestens:

  • Bei einer Weiterverbreitung oder Weiterverwendung, auch wenn dies nur in Teilen oder Ausschnitten stattfindet, muss die exakte Lizenzbezeichnung genannt werden.
  • Bei allen CC-Lizenzen (außer CC0) ist außerdem die Nennung des Urhebers und soweit bekannt, des Titels, notwendig.
  • Wurde eine Bearbeitung durchgeführt, muss dies deutlich gekennzeichnet sein.

Diese Informationen müssen entweder direkt am Werk, in Form einer Fußnote oder in anderer, einfach Creative Commons – eine Lizenzvereinbarung auffindbarer Weise dargestellt werden (z. B. Quellenverzeichnis, Bildverzeichnis, Video-Abspann). Die Standard-Lizenzverträge sind modular aufgebaut und bieten dem Urheber verschiedene Möglichkeiten, die Nutzung auf Wunsch einzuschränken.

Hat man das System einmal verstanden, erklären sich die erteilten Rechte im Prinzip von selbst. Es besteht aus vier Bausteinen:

  • BY – Namensnennung: Nennung des Autors oder Urhebers, ggf. auf die von diesem gewünschte bzw. vorgegebene Art (Name, Künstlername, Institution o.Ä.).
  • SA – Weitergabe unter gleichen Bedingungen: d.h. sollte ein Bildband mit Fotos unter CCBY-SA entstehen, muss dieser wiederrum ebenfalls unter CCBY-SA vertrieben werden.
  • ND – Keine Bearbeitung: Das Werk darf nicht bearbeitet und anschließend weiterveröffentlicht werden (z.B. keine Bildbearbeitung).
  • NC – Nicht kommerziell: Eine kommerzielle Nutzung ist prinzipiell nicht gestattet, d.h. das Werk darf nur für Handlungen eingesetzt werden, die nicht vorranging einen geschäftlichen Vorteil oder geldwerte Vergütung zum Ziel haben.

Die CC Lizenzen

Die Details verweisen jeweils auf die Creative Commons Seite mit einer genauen Erläuterung der Lizenz.

(Quelle)

Creative Commons bietet für Urheber im deutschen Rechtsraum derzeit in der Version 3.0 sechs verschiedene Abstufungen an, mit welchen sie festlegen können, unter welchen rechtlichen Bedingungen ihre Werke genutzt werden können und Verbreitung finden. Nicht alle sind für Bildung gleichermaßen gut geeignet.

Schon am Namen des jeweiligen CC-Lizenztyps lässt sich erkennen, was die wichtigsten Bedingungen bei der Nutzung des Inhalts sind. Allen Lizenzen gemein ist die Namensnennung des Urheber in der von diesem festgelegten Art und Weise. Die weiteren Lizensierungsmerkmale sind Bedingungen der Weitergabe, Bearbeitungsmöglichkeiten und kommerzielle Nutzung. In unterschiedlicher Kombination ergeben sich aus ihnen die 6 Lizenztypen.

CC BY – Namensnennung

CC BY - Namensnennung

Gibt den größten Freiraum in der Nutzung. Solange der Name in der vom Urheber angegebenen Weise genannt wird, kann das Werk in jeglicher Weise verbreitet, vervielfältigt, bearbeitet, abgewandelt und sogar kommerziell genutzt werden. Für Bildung ist dieses die vermutlich geeignetste Lizenzform. (Details)

CC BY-SA – Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen

CC BY-SA – Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Der Urheber besteht auf einer Namensnennung und gestattet jegliche Form der Weitergabe und Vervielfältigung, der Bearbeitung und Veränderung. Auch eine kommerzielle Nutzung ist nicht ausgeschlossen. Im Gegenzug verpflichtet der Urheber die Nutzer zu einer Weitergabe jeglicher Materialien, die sein Material beinhalten oder daraus entstanden sind, unter den gleichen Lizenzbedingungen. Auch diese Lizenz ist für Bildungszwecke gut geeignet. (Details)

CC BY-ND – Namensnennung-KeineBearbeitung

CC BY-ND – Namensnennung-KeineBearbeitung

Unter der Bedingung der Namensnennung stimmt der Urheber einer Nutzung zu. Das Werk darf vervielfältigt und weitergegeben und auch kommerziell genutzt werden. Von Nachteil ist jedoch, dass es in keiner Weise verändert werden darf. Für Bildung schränkt das den Nutzen schon sehr stark ein. (Details)

CC BY-NC – Namensnennung-NichtKommerziell

CC BY-NC – Namensnennung-NichtKommerziell

Unter der Bedingung der Namensnennung und einer nicht kommerziellen Weiterverwendung stehen den Nutzern alle Möglichkeiten offen, das Werk zu verbreiten, zu vervielfältigen, zu bearbeiten und abzuwandeln. Für Bildung durchaus nutzbar. Es ergeben sich jedoch starke Einschränkungen bei der Weitergabe. (Details)

CC BY-NC-SA – Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen

CC BY-NC-SA – Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Unter der Bedingung der Namensnennung und dem Ausschluss einer kommerziellen Nutzung darf derart lizensiertes Material vervielfältigt und weitergegeben werden. Möglich ist auch eine Bearbeitung und Veränderung des Materials. Allerdings verpflichtet die Lizenz dazu, jegliche Materialien, welche aus oder mit einem derart lizensierten Material entstanden sind, unter exakt den gleichen Bedingungen zu lizensieren. Für Bildungszwecke kann das eine Einschränkung bedeuten. (Details)

CC BY-NC-ND – Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung

CC BY-NC-ND – Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung

In dieser für Bildung sehr ungünstigen Lizenz, welche jegliche Nutzung, die eine Veränderung beinhaltet, ausschließt, ist die Namensnennung Bedingung. Auch eine kommerzielle Nutzung ist nicht gestattet. In Bezug auf Bildung liegt hier die stärkste Einschränkung vor. (Details)

CC0 – Public Domain (öffentliches Gemeingut)

CC0 – Public Domain (öffentliches Gemeingut)

Für Bildung ist CC0 (sprich CC zero) bestens geeignet, denn der Urheber verzichtet unwiderruflich auf jegliche Rechte an seinem Werk. Nutzung, Be- und Verarbeitung kann so uneingeschränkt erfolgend wie die Weitergabe. (Details)

CC your EDU (Website)

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  1. UNESCO: Forum on the Impact of Open Courseware for Higher Education in Developing Countries – Final Report, Paris, 2002, S. 24
  2. Guntram Geser: Open Educational Practices and Resources: OLCOS Roadmap 2012. Open eLearning Content Observatory Services (OLCOS). Salzburg Research, EduMedia Group, Salzburg Januar 2007, S. 20.
  3. Vorlage:Cite web